Finally we said YES

Finally we said YES

Ihr Lieben wieder ist ein ganzes Jahr vergangen, seid dem ich aus Ägypten zurück bin – Zeit also mal wieder etwas von mir bzw. uns hören zu lassen

Ja, es gibt noch immer ein uns

Und jetzt erst Recht, denn bei meinem letzten Besuch im Januar diesen Jahres haben wir es endlich geschafft offiziell JA zu sagen

Und das war wahrlich ein Angang – eigentlich über die gesamte Zeit unseres Kennens, finde ich…

Wie oft habe ich mich in der gemeinsamen Zeit gefragt ist er der Richtige, meint er es ehrlich, ist er einer von den Guten?

Und ich habe in allen Fragen für mich ganz allein entschieden JA, er ist es.

Jeder hat seine Macken, seine Ticks, warum sollten sie bei Ihm also schwerer wiegen als bei jedem anderen? Eben, es gibt keinen Grund

Wie Ihr Euch denken könnt hat auch Corona unsere Jahrespläne durchkreuzt. Denn eigentlich hätte Tarek mein Mann und unsere 3 Katzen schon längst hier in Deutschland sein sollen.

Doch das Konsulat in Kairo hat schnell geschlossen und bleibt auch noch bis einschliesslich Dezember zu ….

Und nu ?

Und nu heisst es mal wieder warten und einander vertrauen…

Tareks Deutschunterrichtet konnte nicht plangemäss starten und nu, wo es gehen würde, traut er sich nicht. Das macht es für mich nicht gerade einfach, denn auch wenn er jetzt noch mehr Zeit hat bis zur Ausreise (wir rechnen aktuell mit noch fast einem ganzen Jahr), wäre es doch schön, wenn er sich langsam mal mit unserer Sprache vertraut macht…

Aber ich will nicht meckern, denn er kümmert sich ganz liebevoll um den Haushalt und unsere 3 Fellnasen – diese brauchen ja schliesslich auch noch Ihre Papiere…

Wir hoffen also auf unser Glücksjahr 2021, passt ja auch besser zu unserem Hochzeitsdatum, dem 21. Januar 2020…

Auch hier sollte es der 20. Januar 2020 werden, nun wissen wir warum das nicht geklappt hat – lol

Der „Gang“ zur Hochzeit war wirklich ein Desaster

Wie jedes Jahr friere ich im Winter in Ägypten wie ein Hase. Zudem hatte mich eine ganz fiese Grippe mit hohem Fieber heimgesucht – heute überlege ich, ob es nicht schon Corona war….

Wir fuhren mit dem Bus nach Kairo – für mich jedesmal der reinste Horror, vor Allem, wenn man die Bordtoilette benutzen muss….Also trank ich so wenig wie möglich – keine gute Idee

In Kairo angekommen- morgens gegen 7 Uhr ging es direkt zum Konsulat, wo bereits unser Anwalt auf uns wartete…

Ja, wir haben uns entschieden es mit einem örtlichen Anwalt durchzuspielen – sicher ist sicher und das Geld war es mir auf jeden Fall wert!

Im Konsulat hat alles super geklappt und  eigentlich hätten wir am nächsten Tag heiraten können, nur leider wurde mein Name auf meinen medizinischen Unterlagen falsch übersetzt – da war der erste Streit mit meinem Zukünftigen vorprogrammiert, denn nun musste meine med. Untersuchung in einem Krankenhaus in KAIRO wiederholt werden – ich weigerte mich strikt und brach in Tränen aus. Hohes Fieber, durchgefroren, hungrig und dehydriert …

Das war keine gute Kombination

Mein Anwalt tröstete mich ganz süss und holte mir von nächsten Strassenkiosk eine Limonade….dann wurde etwas Geld von einer zur anderen Hand gereicht und ich bekam ein neues Attest, ohne noch einmal „bluten“ zu müssen….

Was dann noch hinzukam, ich hatte zwar genügend Passfotos von mir dabei, nur leider keine einheitlichen – jetzt musste ich in meinem Zustand noch quer mit dem Taxi durch Kairo düsen um Passfotos machen zu lassen.

Wohl gemerkt, ich hatte 7 Stunden im Bus gesessen, war fiebrig durchgeschwitzt, und sah auf dem Kopf aus wie ein gerupftes Huhn.

Glaub mir, SO möchte keine Braut auf Ihren Hochzeitspapieren aussehen.

Ich sah aus wie aus der Klapse (bitte entschuldigt) – FURCHTBAR!

Am Nachmittag des 2. Tages ging es dann endlich wider in unsere Behausung.

Der Anwalt war so nett uns bei sich in der „Villa“ in Kairo wohnen zu lassen.

Erst war mir das ganz unangenehm, doch er sagte das gehöre zu seinem Service dazu – na dann – Danke!

Eigentlich hätte mich nichts Wunder sollen… 

Ich stellte mir unter einer Villa in einem reichen Vorort von Kairo jedenfalls etwas GANZ Anderes vor…

Wir bogen in eine wirklich vornehme Strasse ein und fuhren dann noch durch ein privates Gate mit Security.

Eine Villa war schöner und prächtiger als die Andere.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus

Und als wir ankamen, ging mir die Kinnlade ganz runter…

Wir hielten vor einem hohen Tor, welches behelfsmässig mit verschiedenen Wellblechen verblendet war. Versteht mich nicht falsch, es war sicherlich mal ein sehr schönes Haus – vor dem Verfall.

Die Treppe zum Eingangsportal bröckelte vor sich hin und die Feuchtigkeit nahm langsam aber Sicher die gesamte Fassade des Hauses ein – überall quoll der Putz auf und rieselte. 

Innen bot sich ein noch schlimmeres Bild, der Boden sah aus, als hätte es hier ein Erdbeben gegeben.

Das Parkett brach an mehreren Stellen nach oben weg und war ebenfalls von Feuchtigkeit aufgedunsen.

In der riesigen Eingangshalle standen dennoch vereinzelt Möbel, zum Beispiel ein riesiges Sofa mit Goldverzierungen soweit das Auge reichte.

Zum ersten Stock führte eine gemauerte Wendeltreppe, welche O wunder noch nicht vom Erdboden verschluckt wurde….

Du kannst dir denken, dass es im ersten Stock nicht besser aussah…

Die Feuchtigkeit war so ins Haus gekrochen, das nicht eine Tür mehr richtig zu schliessen war.

Unsere Zimmertür also auch nicht.

Uns wurde ein – ohne hier zu übertreiben ein komplett verdrecktes Zimmer zur Verfügung gestellt. Mein Glück war ein eigenes Bad mit WC – hurra, ich war happy.

Wir gingen dann auch direkt ins Bett, ich schüttete alle Medikament in mich rein, die ich der Apotheke bekommen konnte.

Tag 3 – Finally We said YES

Wir fuhren sehr für los, denn wenn man eines vermeiden möchte, dann in die Kairoer Rushhour zu geraten.

Trotz unseres frühen Aufbruchs haben wir gut2 Stunden in die Innenstadt gebraucht.

Erwähnte ich schon einmal, das ich Kairo hasse?!?

Du brauchst jetzt auch nicht fragen, ob ich mich Hübsch gemacht habe…

NEIN.

Ich beging mein Jawort mit Wollmütze, Hoody und Boots – wie sich das gehört

Vor der Behörde warteten wir noch fast 2 Stunden auf den Trauzeugen, ein Onkel meines Mannes – Ägypter haben das nicht so mit der Pünktlichkeit.

Bitte ziehen Sie eine Nummer

Es waren noch ca 10 Paare vor uns dran -puh, das konnte dauern.

Ich bekam jetzt aber endlich einen Kaffe, gefrühstückt hatten wir allerdings noch immer nicht.

Ich war so nervös, zudem wurden wir zwei begafft – unglaublich.

Naja gut, wir sahen aus wie Mr & Mrs Waldschrat, aber hey, man heiratet nur einmal – oder so

Manchmal musste ich mir auch so die Tränen verkneifen, denn bei manchen Trauungen war viel Familie dabei und dann trällern die Frauen immer so ganz schnell mit der Zunge – ich liebe dieses Geräusch.

Eigentlich ging es hier aber zu wie in einer riesigen Bahnhofshalle, es war wahnsinnig voll und laut.

Die Trauungen fanden in grossen Büros statt und jeder schrie jeden an.

Irgendwann wurde unsere Nummer aufgerufen und ab da liess ich die Hand von Tarek nicht mehr los.

Mir nahmen vor einem Schreibtisch platz hinter welchem ein sehr strenger Herr sass.

Es wurden unzählige Papiere hin und her gereicht, kopiert, getackert unterschrieben.

Dann kam auf 10 Dokumente je ein Foto von mir und eines von Tarek und dann die Unterschriften und dann kam das Beste

Unsere Daumen wurden in ein Stempelkissen gedrückt und genau quer über Foto und Unterschrift auf jedem Dokument platziert…

Am Ende spürte ich meinen Daumen kaum noch.

Ich lächelte immer wieder zu Tarek rüber, oh weh, er tat mir so leid, denn er verstand ja alles – an mir hingegen rauschte alles irgendwie vorbei.

Eigentlich kam ich mir vor wie bei einer Verurteilung und nicht wie bei einer Eheschliessung

Für manche ist wahrscheinlich wirklich so

Aber endlich….

Finally we said YES

WOBEI: Halt Stopp

Danach hatte gar niemand gefragt – schade eigentlich!

Nach insgesamt 6 Stunden mit Warterei war es dann schliesslich vorbei.

Im Treppenhaus übergaben wir unserem Anwalt in einem Umschlag sein Honorar, wir verabschiedeten uns und machten uns mit dem nächsten Taxi auf zum Busbahnhof – wir wollten hier so schnell wie möglich weg.

Wir nahmen den Bus um 16.30 Uhr und waren kurz vor Mitternacht endlich wieder in unseren 4 Wänden.

Darf ich vorstellen

Mr. & Mrs. Right

Ein Gedanke zu “Finally we said YES

  1. Irgendwie war ich ja „fast“ dabei… 🙄Aber wenn Ch das jetzt so komprimiert lese, dann kullern auch bei mir einige 😥.. Doch jetzt : happy marriage ⚭ 🤩! Und wie immer.. Super cool geschrieben.. Danke für diesen Einblick! 😄

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